Lithium ist den meisten Menschen nur als Bestandteil von Batterien oder als hochdosiertes Psychiatrie-Medikament bekannt.
Doch hinter diesem Element verbirgt sich möglicherweise einer der am meisten unterschätzten Nährstoffe für unsere mentale Gesundheit.
Der habilitierte Arzt und Molekulargenetiker Dr. med. Michael Nehls argumentiert in seinen Forschungsarbeiten überzeugend, dass Lithium die Kriterien eines essentiellen Spurenelements erfüllt – und ein weit verbreiteter Mangel gravierende Folgen für unsere psychische und körperliche Gesundheit haben kann.
Was ist Lithium?
Lithium gehört zu den Alkalimetallen und steht im Periodensystem neben Natrium und Kalium – Elementen, die für unseren Körper unbestreitbar lebenswichtig sind.
Als leichtestes Metall überhaupt kommt es natürlich in Gesteinen, Mineralquellen, im Grundwasser und damit auch in unserer Nahrung vor. Die Konzentrationen variieren dabei regional erheblich, was zu großen Unterschieden in der täglichen Aufnahme verschiedener Bevölkerungsgruppen führt.
Bekannt wurde Lithium in der Medizin vor allem durch seinen Einsatz bei bipolaren Störungen, wo es seit den 1950er Jahren als Stimmungsstabilisator eingesetzt wird.
In dieser Anwendung werden jedoch sehr hohe Dosen verwendet, die regelmäßige Blutspiegelkontrollen erfordern und mit Nebenwirkungen verbunden sein können.
Diese therapeutische Verwendung hat jedoch den Blick darauf verstellt, dass Lithium in viel geringeren Mengen möglicherweise eine grundlegende physiologische Rolle spielt.
Die These von Dr. Michael Nehls: Lithium als essentielles Spurenelement
Dr. Michael Nehls, Privatdozent und habilitierter Molekulargenetiker mit Schwerpunkt Immunologie, vertritt in seinem Buch „Das Lithium-Komplott“ eine provokante, aber wissenschaftlich fundierte These:
Lithium erfüllt alle Kriterien eines essentiellen Spurenelements, wird jedoch von den zuständigen Behörden nicht als solches anerkannt.
Die Argumentation von Nehls stützt sich auf folgende Kernpunkte:
1. Lithium reguliert den Master-Regulator GSK3
Das Protein GSK3 (Glykogensynthase-Kinase 3) ist einer der evolutionär ältesten Signalregulatoren in lebenden Zellen.
Es gibt stichhaltige Hinweise darauf, dass dieses Protein bereits seit etwa 500 Millionen Jahren essentielle biologische Prozesse steuert – schon die ersten einzelligen Mikroorganismen besaßen GSK3.
Dieses Protein beeinflusst die Funktion von über 80 weiteren Proteinen und spielt eine zentrale Rolle bei Entzündungsprozessen, der Zellregeneration und der Neurogenese.
Lithium hemmt die Aktivierung von GSK3 und wirkt dadurch entzündungshemmend.
In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass Lithium bereits in sehr niedrigen Blutkonzentrationen das Risiko für die Entwicklung einer chronischen Neuroinflammation (Gehirnentzündung) senkt.
Die Tatsache, dass Lithium schon bei unseren evolutionären Vorfahren eine regulierende Funktion hatte, spricht stark dafür, dass es sich um ein essentielles Element handelt.
2. Förderung der hippocampalen Neurogenese
Eine der wichtigsten Entdeckungen der modernen Neurowissenschaft ist, dass auch im erwachsenen Gehirn neue Nervenzellen entstehen können.
Besonders im Hippocampus – jener Gehirnregion, die für Gedächtnis, Lernen und emotionale Regulation zentral ist.
Diese sogenannte „adulte hippocampale Neurogenese“ ist für unsere kognitive Funktion und psychische Gesundheit von entscheidender Bedeutung.
Lithium aktiviert – unter anderem durch die Hemmung von GSK3 – diese Neurogenese.
Wenn die GSK3-Aktivität reduziert wird, werden entzündungshemmende Botenstoffe aktiviert, und die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus wird nicht mehr blockiert, sondern gefördert.
Studien an Mausmodellen haben gezeigt, dass Lithium die hippocampale Neurogenese verbessert und kognitive Funktionen schützt.
3. Aktivierung der Mitochondriogenese
Lithium aktiviert die Produktion neuer, gesunder Mitochondrien – unserer zellulären Kraftwerke.
Aufgrund der vielfältigen Funktionen der Mitochondrien ist dieser Mechanismus für unsere Gesundheit und den Erhalt unserer Leistungsfähigkeit nicht zu unterschätzen.
Dieser lebensverlängernde Effekt von Lithium konnte sogar in einfachen Modellorganismen wie dem Fadenwurm eindeutig nachgewiesen werden.
Epidemiologische Evidenz: Lithium im Trinkwasser und Suizidraten
Einige der überzeugendsten Hinweise auf die Bedeutung von Lithium als essentielles Spurenelement stammen aus epidemiologischen Studien.
Diese haben den natürlichen Lithiumgehalt im Trinkwasser verschiedener Regionen mit den dortigen Suizidraten verglichen.
Bereits 1990 zeigte eine Studie aus Texas, dass Regionen mit höherem Lithiumgehalt im Trinkwasser signifikant niedrigere Raten von Suiziden, Gewaltverbrechen und Drogenverhaftungen aufwiesen.
Seitdem haben zahlreiche weitere Studien aus Japan, Österreich, Griechenland, Italien, Litauen, England und anderen Ländern diesen inversen Zusammenhang bestätigt.
Eine umfassende Metaanalyse von 2020, die 15 Studien zusammenfasste und im British Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde, bestätigte eine statistisch signifikante negative Assoziation zwischen Lithiumgehalt im Trinkwasser und Suizidsterblichkeit.
Der Zusammenhang war für beide Geschlechter vorhanden, statistisch signifikant jedoch nur für Frauen.
Eine österreichische Studie (Kapusta et al., 2011) zeigte ebenfalls eine hochsignifikante negative Korrelation (p = 0,000073) zwischen Suizidraten und Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser.
Diese Befunde sind bemerkenswert, weil die im Trinkwasser vorkommenden Lithiummengen um ein Vielfaches geringer sind als die therapeutischen Dosen, die bei psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt werden.
Dies deutet darauf hin, dass bereits sehr geringe Mengen über lange Zeiträume hinweg eine messbare Wirkung auf die psychische Gesundheit haben können.
Wichtiger Hinweis zur wissenschaftlichen Einordnung: Es handelt sich bei diesen Studien um epidemiologische Beobachtungsstudien, die eine Korrelation, aber keinen kausalen Zusammenhang beweisen. Eine neuere Schweizer Studie (2024) fand keinen signifikanten Zusammenhang. Die wissenschaftliche Debatte ist also noch nicht abgeschlossen.
Folgen eines Lithiummangels
Dr. Nehls beschreibt ein „Mentales Immundefizienz-Syndrom“ (MIDS), das durch chronischen Lithiummangel entstehen kann.
Ein Mangel führt demnach nicht nur zu einer fehlerhaften Funktion des mentalen, sondern auch des körperlichen Immunsystems.
Die möglichen Folgen umfassen:
Psychische Auswirkungen: Erhöhtes Risiko für Depressionen, Angststörungen, erhöhte Suizidneigung, verminderte emotionale Resilienz, häufigere Wutausbrüche und Stimmungsschwankungen.
Kognitive Auswirkungen: Gehirnnebel (Brain Fog), Konzentrationsstörungen, erhöhtes Alzheimer-Risiko, verminderte Gedächtnisleistung.
Körperliche Auswirkungen: Chronische Entzündungen, verminderte Regenerationsfähigkeit, mögliche Verkürzung der Lebenserwartung.
Der geschätzte essentielle Tagesbedarf liegt laut Nehls bei etwa 1 mg reinem Lithium pro Tag für Erwachsene.
Viele Menschen erreichen diese Menge jedoch nicht über ihre normale Ernährung, besonders wenn sie in Regionen mit lithiumarmem Trinkwasser leben.
Lithiumorotat: Die bevorzugte Supplementierungsform
Während in der psychiatrischen Behandlung hauptsächlich Lithiumcarbonat verwendet wird, empfiehlt Dr. Nehls für die Supplementierung im Niedrigdosisbereich Lithiumorotat.
Diese Verbindung aus Lithium und Orotsäure (früher auch als Vitamin B13 bezeichnet) bietet mehrere potenzielle Vorteile:
Bessere Bioverfügbarkeit
Lithiumorotat wird effizienter im Darm resorbiert und hat eine längere Halbwertszeit im Körper, was zu stabileren Lithiumspiegeln führt.
Im Gegensatz zu Lithiumcarbonat, das leicht in Lösung ionisiert, bleibt Lithiumorotat stabiler und kann dadurch mit geringeren Mengen die gleiche Wirkung erzielen.
Besserer Transport ins Gehirn
Aufgrund eines speziellen Transportmechanismus wird Lithiumorotat besser über die Blut-Hirn-Schranke transportiert.
Dies ist besonders relevant, da die gewünschten Wirkungen von Lithium größtenteils im Gehirn stattfinden.
Geringere erforderliche Dosierung
Da die Bioverfügbarkeit höher ist, benötigt man geringere Dosierungen, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Dies reduziert das Risiko von Nebenwirkungen erheblich.
Während therapeutische Lithiumcarbonat-Dosierungen bei bipolaren Störungen typischerweise zwischen 600 und 1200 mg liegen, werden bei Lithiumorotat im Niedrigdosisbereich lediglich etwa 25 mg Lithiumorotat benötigt, um 1 mg reines Lithium zuzuführen.
Keine Bindung an Alzheimer-Plaques
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Lithiumorotat im Gegensatz zu anderen Lithiumverbindungen nicht an die bei Alzheimer typischen Amyloid-Ablagerungen bindet.
Somit bleibt es für die Nervenzellen verfügbar.
In Tierversuchen konnte Lithiumorotat in niedriger Dosierung die Entwicklung von Alzheimer-Symptomen stoppen und teilweise sogar rückgängig machen.
Die rechtliche Situation: Warum Lithium in der EU als NEM verboten ist
Hier liegt das paradoxe Problem:
Obwohl zahlreiche wissenschaftliche Belege für die Bedeutung von Lithium als essentielles Spurenelement sprechen, darf es in der gesamten Europäischen Union nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden.
Der Grund liegt in der Nahrungsergänzungsmittel-Richtlinie 2002/46/EG.
Diese Richtlinie enthält in ihrem Anhang I und II eine „Positivliste“ aller erlaubten Vitamine, Mineralstoffe und deren Verbindungen, die in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden dürfen.
Was nicht auf dieser Liste steht, ist verboten – und Lithium steht nicht darauf.
Zusätzlich kommt die Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 ins Spiel.
Da Lithium vor 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang als Lebensmittelbestandteil verwendet wurde, gilt es als „neuartiges Lebensmittel“, das einer aufwendigen Zulassung bedarf.
Ohne diese Zulassung ist der Verkauf illegal.
Die praktischen Konsequenzen sind weitreichend:
- Der Verkauf von Lithium als Nahrungsergänzungsmittel ist in Deutschland und der gesamten EU eine Straftat.
- Lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, die aus dem Internet bestellt werden, werden bei Kontrollen beschlagnahmt (wie aktuelle Kontrollaktionen in Österreich 2024 zeigen).
- Niedrig dosiertes Lithiumorotat ist nur über ein ärztliches Privatrezept in Apotheken erhältlich, die es als Rezepturarzneimittel herstellen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat keinen Referenzwert für Lithium herausgegeben, da es offiziell nicht als essentielles Spurenelement anerkannt ist.
Die Verbraucherzentralen warnen entsprechend vor dem Kauf über das Internet.
Aktuelle politische Entwicklungen
Dr. Nehls und seine Unterstützer setzen sich aktiv für eine Änderung dieser Situation ein.
Im April 2025 wurde eine öffentliche Petition an den Deutschen Bundestag gestartet, die eine Anerkennung von Lithium als essentielles Spurenelement und seine Zulassung als Nahrungsergänzungsmittel fordert.
Mit über 56.000 Unterschriften wurde das erforderliche Quorum von 30.000 deutlich übertroffen.
Im Europäischen Parlament wurde ein Entschließungsantrag eingebracht (B10-0349/2025), der die EU-Kommission auffordert, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) um eine Evaluierung der ernährungsbezogenen Funktion von Lithium zu ersuchen.
Außerdem wird die Zulassung sicherer, niedrig dosierter Lithiumsalze wie Lithiumorotat als Nahrungsergänzungsmittel vorgeschlagen.
Praktische Hinweise
Angesichts der rechtlichen Situation in Deutschland und der EU gibt es derzeit folgende legale Möglichkeiten, Lithiumorotat zu beziehen:
1. Ärztliches Privatrezept: Ein orthomolekular orientierter Arzt kann ein Privatrezept für Lithiumorotat ausstellen. Speziell ausgebildete Apotheken stellen das Präparat dann als Rezepturarzneimittel her.
2. Dosierungsempfehlungen: Laut Dr. Nehls liegt der essentielle Bedarf bei etwa 1 mg reinem Lithium pro Tag, was etwa 25-26 mg Lithiumorotat-Monohydrat entspricht.
Bei bestehender Neuroinflammation oder therapeutischer Anwendung können kurzfristig höhere Dosen von bis zu 5 mg reinem Lithium sinnvoll sein – dies sollte jedoch nur unter ärztlicher Begleitung erfolgen.
3. Sicherheitshinweis: Obwohl Lithium in den genannten Niedrigdosen deutlich sicherer ist als in therapeutischen Hochdosen, sollte bei längerer Supplementierung nach etwa 6 Monaten der Lithiumspiegel kontrolliert werden.
Laut ECHA kann ein Erwachsener langfristig bis zum 85-fachen des geschätzten Tagesbedarfs zuführen, ohne mit Nebenwirkungen rechnen zu müssen.
Personen mit Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenproblemen sollten vor der Einnahme unbedingt ihren Arzt konsultieren.
Fazit
Die Evidenz für Lithium als essentielles Spurenelement ist beachtlich und wächst stetig.
Die evolutionäre Konservierung seiner regulatorischen Funktion über Hunderte Millionen Jahre, die epidemiologischen Zusammenhänge zwischen Trinkwasser-Lithium und Suizidraten sowie die nachgewiesenen Effekte auf Neurogenese, Entzündungsprozesse und Mitochondrienfunktion sprechen eine deutliche Sprache.
Dass Lithium trotzdem weder als essentielles Spurenelement anerkannt noch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen ist, erscheint angesichts dieser Datenlage fragwürdig.
Die aktuelle rechtliche Situation verhindert, dass Menschen einen möglicherweise weit verbreiteten Mangel eigenverantwortlich beheben können.
Wie Dr. Nehls betont: In den USA ist niedrig dosiertes Lithiumorotat bereits seit Jahrzehnten als Nahrungsergänzungsmittel im freien Handel erhältlich – ohne dass nennenswerte Probleme bekannt geworden wären.
Es wäre an der Zeit, dass auch europäische Bürger Zugang zu diesem möglicherweise essentiellen Nährstoff erhalten.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einnahme von Lithium – auch in Niedrigdosen – sollte idealerweise unter ärztlicher Begleitung erfolgen. Die hier dargestellten Thesen von Dr. Michael Nehls stellen eine wissenschaftlich fundierte, aber nicht unumstrittene Position dar. Die offizielle Anerkennung von Lithium als essentielles Spurenelement steht noch aus.
Quellen und weiterführende Literatur
- Nehls M. „Das Lithium-Komplott: Plädoyer für ein essentielles Spurenelement“. Mental Enterprises Verlag, 2025
- Nehls M. „Unified theory of Alzheimer’s disease (UTAD): implications for prevention and curative therapy“. J Mol Psychiatry. 2016
- Memon A et al. „Association between naturally occurring lithium in drinking water and suicide rates: systematic review and meta-analysis“. Br J Psychiatry. 2020
- Kapusta ND et al. „Lithium in drinking water and suicide mortality“. Br J Psychiatry. 2011
- Cipriani A et al. „Lithium in the prevention of suicide in mood disorders: Updated systematic review and meta-analysis“. BMJ. 2013
- Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über Nahrungsergänzungsmittel
- Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel
- michael-nehls.de – Offizielle Website mit weiterführenden Informationen

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